Jahr 12/28 – Raus hier.
Langsam aber sicher nimmt der 12-jährige Farhad seine Umgebung wahr. Wenn man die Straße runterläuft sieht man nur schöne Einzelhäuser, aber genau dazwischen ist dann dieser Hof. Risse im Asphalt. Eine Alutreppe, die klingt, als würde sie fast einkrachen. Wespenplagen. Seit unsere Lieblingsnachbarn ausgezogen sind wurde es noch schlimmer. Alkoholiker und Drogenabhängige. Die Stimmung wird erdrückend. Ich erinnere mich ganz genau, wie die Polizei bei unserem Nachbarn eingestürmt ist, der dann aus dem Hinterfenster sprang um zu fliehen, aber dort endlich aufgehalten wurde. Für unsere Eltern war eines klar: Raus hier. Aber ganz schnell. Wir sind nicht wie die. Stellt euch vor ihr seid aus der Heimat geflohen, weil ihr politisch verfolgt werdet und jetzt lebt ihr mit euren Kindern in Umständen, in denen keiner zu Leben vermag. Aber ohne zu meckern, vielmehr seid ihr dankbar. Mama schließt ihre Ausbildung als Kosmetikerin mit Sondernote 1+ ab. Papa wird körperlich labiler zum Arbeiten. 2 Söhne. 1 Tochter. Was noch niemand weiß: dass sich in 2 Jahren das Leben des mittleren so lenken wird, wie keiner es je erwarten könnte. Die Kinder verstehen noch nichts davon, aber egal wie, wir müssen hier raus...