Jahr 14/28 – Abschnitt 2
"Du hast Glück, dass ich deinem Vater nicht sagen muss, dass sein Sohn tot ist." Es ist ein sonniger Julitag. Ca. 25 Grad mit perfekter Brise. Wenige Tage nach dem Kinofilm beginnt die Vorbereitung auf die neue Fußballsaison. Um mich fit zu halten, lege ich jede Strecke nur noch mit dem Fahrrad zurück. Ich mache mich also an diesem Freitag los, um 4 Kilometer zum Freitagsgebet zu fahren. Und als hätte mich ein Windstoß von der Seite ereilt, stürze ich mit voller Wucht. Ca. 3 Meter schleife ich hart an der Bordsteinkante. Ich verliere sofort das Bewusstsein. In einem dunklen Leuchten sehe ich wie vor mir Anwohner stehen und fragen, ob es mir gut geht. Mit letzter Kraft diktiere ich die Telefonnummer meines Vaters. Ich erlange kurz Bewusstsein, als ich auf der Terrasse der Anwohner sitze und mir ein Glas Wasser gegeben wird. Mein Arm. Dieser Anblick versetzt mich komplett in die Bewusstlosigkeit. Blut fließt im Strom. Ich sehe meine Knochen. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern. Ganz langsam wird es aus dem Dunklen wieder hell. Der Arzt zieht gerade den letzten Faden und bemerkt, dass ich wach werde. Seinen ernsten Blick werde ich nie vergessen: "Du hast Glück, dass ich deinem Vater nicht sagen muss, dass sein Sohn tot ist. So wie du gefallen bist, wäre dein Kopf aufgerissen. Warum trägst du keinen Helm?" Das erste was ich mir in dem Moment denke: Hoffentlich kriege ich keinen Ärger, denn meinen Eltern war die Helmpflicht unglaublich wichtig... Mit 9 Stichen zugenäht. Diese Narbe wird für immer bleiben. Und manchmal, wenn ich nicht mehr kann, schaue ich genau auf diese und denke mir: Ich bin nicht solange gelaufen, um umzukehren.