Farhad Tahir
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Jahr 14/28 – Abschnitt 3

Meine Welt bricht zusammen. Kein Sport für 12 Wochen: zu viel Blutverlust. 12 Wochen mit einem Gips am Arm. Der Traum, den ich für verrückt hielt, ist zerbrochen. Farhad Tahir wird definitiv kein Fußballer mehr – das konnte ich auch damals schon realistisch schlussfolgern. Tief betrübt treibe ich durch das Leben. Eines Tages gibt es eine Ankündigung in der Moschee: Alles was ich höre ist, dass es eine Übernachtung in der Moschee in Ginsheim geben wird, und ich bin sofort begeistert. Für alle, die das nicht kennen: Die Nacht in der Moschee verbringen bedeutet keine Eltern. Nur Freunde. Essen und Trinken. 100% Lachgarantie. Und wenn alles gut geht, schauen die Älteren mit uns einen Film. Wunderbar. Also gingen mein Bruder und ich. Es stellte sich heraus, dass wir an einem Seminar teilnahmen. Es war ein Seminar von zwei Redakteuren des gemeindeeigenen Fernsehsenders: MTA International. Während des Seminars erlebe ich Gänsehaut, die ich bis heute nicht beschreiben kann. Mein Antrieb entwickelte sich genau dort, denn diese Herren (Sultan und Nasir) brachten uns in einem Crashkurs die Grundlagen von Konzeption, Aufnahme und Schnitt bei. Also wenn jemand bis hierher mitgelesen hat – die Frage, die mich ständig beschäftigte, wurde hier beantwortet. Wie sehen andere, was du selbst siehst? Ganz einfach: Film. Es war also kein Zufall, dass ich am Ende des Seminars besonderes Lob für außerordentliches Talent erhielt. Das Studio befindet sich in Frankfurt, und da mein Vater ohnehin jedes Wochenende im Gemeindezentrum ehrenamtlich tätig war, mussten wir nicht mehr gelangweilt in seinem Büro sitzen, sondern konnten unsere Zeit lernend im Fernsehstudio verbringen. Das war der erste Wendepunkt in meinem Leben. Kein Zufall. Ein Segen. Alhamdulillah. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern. Ich wollte diesen Ort nicht verlassen aus Angst, die Chance zur Selbstentwicklung zu verpassen. Einer meiner Mentoren (Badar) fragte mich: "Warum willst du das machen?" Stell dir vor, ein 14-Jähriger antwortet einfach: "Um die Welt zu verändern. Ich will der Beste darin sein." Badar lachte amüsiert, klopfte mir auf die Schulter und sagte: "Du kannst das, Kleiner."