Farhad Tahir
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Jahr 16/28 – pt.1/2 – Ich traue mich raus.

Weil mir irgendwann das Material ausging, dachte ich es wäre der perfekte Zeitpunkt, um mal das Haus zu verlassen. Über Facebook kam ich an kleinere Aufträge für Restaurants oder Cafes in der Stadt. Diese zahlten mir vielleicht 10-20 Euro für ein Video, aber mehr wollte ich gar nicht. Ich fand es cool genug, dass ich dort rumlaufen und Eindrücke sammeln konnte, um mich auf das nächste Level zu bringen. Weil ich ja sowieso neben der Schule nichts machte, außer meinem Traum des Filmemachers nachzugehen, wurde ich für meine Schnelligkeit gelobt. Eines Tages dann dachte ich: was ich kann ist gut, jetzt bräuchte ich nur noch mal eine neue Herausforderung. Etwas größeres. Also ging ich mit erhobenem Haupt zu einem der bekanntesten Restaurants in Wiesbaden: Harput. Dort empfing mich der Sohn des Eigentümers. Schon in jungen Jahren leitet er das Lokal. Ich, gefühlt ein Meter fünfzig groß, kein Bart, Topfschnitt: "Also um das richtig gut umzusetzen bräuchte ich wenige hundert Euro." So viel Geld hatte ich in meinem Leben nicht gesehen, aber ich brauchte das Geld, um Equipment zu mieten, von dem ich so viel gelesen hatte, um qualitative Aufnahmen zu erzielen. Er schaute mich leicht schockiert an. Ging kommentarlos hinter den Tresen. Schaute mich nochmal an. Kam wieder vor und drückte mir das Geld in die Hand. Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich mich gefreut habe. ("Hä, das hat funktioniert?") Das Geld wollte ich ja nicht behalten, ich hatte mich so gefreut, weil ich endlich Technik mieten konnte, von der ich so viel gelesen hatte. 3 Tage später wäre es dann auch soweit gewesen. Der große Dreh. Die Nacht davor habe ich kaum geschlafen. "Wie wird es werden? Was wenn was kaputt geht?" 1. Mal Leistungsdruck. Angst. Wer das nicht hat, hat seine Leidenschaft noch nicht gefunden.